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Anwendung und Wirkung von Korsetts

Quelle unbekannt

Nach den Niedergang im Empire tauchte das Korsett im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts von neuem auf. Die Taille wurde wespenhaft schmal geschnürt. Taillenweiten von 40-50 cm waren durchaus die Regel. Für ein junges Mädchen war es damals das höchste Glück, eine so schmale Taille zu haben, daß man sie mit zwei Händen umspannen konnte. Zu diesem Zwecke wurde mit dem Schnüren schon in frühester Jugend begonnen. Wenn die jungen Mädchen 10 bis 12 Jahre alt waren, wurde ihnen das Korsett angelegt und so eng wie möglich zugeschnürt. Oft durften sie es nicht einmal in der Nacht lockern oder gar ausziehen.

Wenn die jungen Damen diese Behandlung bis zu ihrem achtzehnten bis zwanzigsten Lebensjahr durchgemacht hatten, war es ihnen ein Leichtes ihre Taille so schmal zu schnüren, wie es die herrschende Mode gerade verlangte. Ja oftmals waren Sie dann sogar auf das Korsett angewiesen, denn sie konnten sich nicht mehr alleine halten, was auf die Ermüdung und Schrumpfung der Rumpfmuskulatur durch den anhaltend starken Druck der eng geschnürten Korsetts zurückzuführen ist. Nicht nur die Muskulatur wurde in Mitleidenschaft gezogen, durch den anhaltenden Druck wurden die Bauchorgane zunächst verdrängt und schließlich, wenn die Schnüre immer fester angezogen wurden sogar selbst zusammengepreßt. Dies war am deutlichsten an der Lunge zu bemerken, denn durch die starke Verengung auch des Brustkorbes wurde das nutzbare Lungenvolumen vermindert, ja meist war ein tieferes Durchatmen gar nicht mehr möglich. Dies äußerte sich dann darin, daß die schlank geschnürten Damen selbst bei der kleinsten Anstrengung in Atemnot kamen, wenn nicht sogar in Ohnmacht fielen. Weiterhin bildete sich bei den Trägerinnen von enggeschnürten Korsetts (besonders die mit hoher, langer Taille) durch die dauernde Verformung des unteren Teils des Brustkorbes eine sogenannte Schnürfurche heraus, die auch nach Ablegen des Korsetts sichtbar blieb.

Als äußeres Zeichen einer engen Schnürung ist neben der schmalen Taille ein weiterer, jedoch durchaus unerwünschter Effekt zu beobachten: Die Bauchorgane, unter ihnen insbesondere die des Verdauungstraktes, weichen dem Druck des Korsetts nicht nur nach oben in den Brustraum aus, vielmehr drängen sie auch abwärts und rufen eine Hervorwölbung des Unterleibes hervor. Wenn diese deutlich sichtbar ist, kann man davon ausgehen, daß die Trägerin des Korsetts sehr eng geschnürt wurde. Oft ist diese Hervorwölbung des Unterleibes jedoch unerwünscht. Man versucht sie deshalb durch weit nach unten reichende Korsetts zu unterbinden. Diese ziehen sich dann bis über die Hüften herab und bedecken den gesamten Unterleib. Sie setzen den sich nach unten drängenden Bauchorganen einen erheblichen Druck entgegen, so daß jene entweder wieder nach oben in den Brustraum gedrängt werden, oder noch stärker zusammengepreßt werden. Hieraus ersieht man, daß das Tragen eines solchen, nach unten ausgreifenden Korsetts, für die Trägerin eine größere Belastung darstellt, als das beim normalen, kurzen Korsett der Fall ist. So kommt es denn auch, daß Damen die ein langes Korsett tragen und in etwa genauso schmal geschnürt sind, wie Damen, die ein kurzes Korsett tragen, wesentlich häufiger mit Beschwerden wie Übelkeit oder Ohnmacht zu kämpfen haben. Schönheit hat eben ihren Preis.

Eine weitere Wirkung der engen Korsetts ist die, daß der Verdauungstrakt durch die Einschnürung sehr stark zusammengepreßt wird. Schließlich nimmt er im Bauchraum einen wesentlichen Teil des Platzes ein. Diese Zusammenpressung vermindert also auch hier, wie schon bei der Lunge, das Volumen. Dies hat zur Folge, daß eine Frau, wenn sie entsprechend stark geschnürt ist, nur sehr wenig Nahrung zu sich nehmen kann, da der zusammengedrückte Magen nur noch wenig Aufnahmefähigkeit besitzt. Es wird der Trägerin des Mieders also ein gefüllter Bauch ''vorgespiegelt'', sie hat nur ein geringes Hungergefühl. So gesehen war das Korsett der erste Appetitzügler, und viele Frauen werden diese (Neben-) Wirkung begrüßt haben, ermöglicht es ein enges Korsett ihnen doch, leichter den Hunger zu ertragen, der nötig ist, um eine schon von Natur aus schlanke Figur zu erhalten, die dann durch die Schnürung noch graziler wirkt. Das diese Wirkung eine erhebliche Bedeutung hatte, kann man daran ermessen, daß eine Frau morgens vor dem Frühstück eingeschnürt wurde und erst am Abend, also nach dem Abendessen wieder von der einengenden Schnürung befreit wurde. Während der Mahlzeiten trug eine Frau also immer ein Korsett und je enger es geschnürt war, desto weniger konnte sie zu sich nehmen.


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